Wahlprüfsteine zur Kommunalwahl 2026
Cradle to Cradle NGO – Regionalgruppen Rhein-Main
Die Wiederverwendung von Baustoffen und Urban Mining sind Schlüssel für eine zirkuläre Bauwirtschaft. Zentraler Baustein ist ein Materialkataster.
Welche Priorität geben Sie Materialkreisläufen im kommunalen Bauen und Sanieren? Welche Schritte sehen Sie ggf. bezüglich zirkulärer Standards und Materialerfassung vor?
Wir messen Materialkreisläufen eine hohe Priorität bei, um den Ressourcenverbrauch zu senken und den Erhalt von Gebäuden gegenüber dem Abriss zu priorisieren. Ein Materialkataster ist hierfür ein sinnvolles Instrument. Aus unserer Sicht muss jedoch sichergestellt werden, dass ökologische Innovationen nicht zu steigenden Wohnkosten führen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Kosten für zirkuläres Bauen und Sanieren bei der städtischen bauverein AG und den Vermietern verbleiben und nicht über die Modernisierungsumlage auf die Mieter:innen abgewälzt werden.
Inwiefern soll die Stadt künftig Cradle to Cradle und Zirkularität in Ausschreibungen der öffentlichen Beschaffung integrieren?
Die Stadt Darmstadt sollte Cradle to Cradle und Zirkularität als feste Kriterien in ihre Ausschreibungen integrieren. Für uns ist dabei entscheidend, dass ökologische Nachhaltigkeit Hand in Hand mit sozialen Standards geht. Wir fordern eine Vergabeordnung, die neben C2C-Prinzipien konsequent auf Tariftreue und gute Arbeitsbedingungen setzt, damit öffentliche Aufträge eine nachhaltige Wirtschaft fördern, die weder auf Kosten der Beschäftigten noch Natur der Natur geht.
Mit welchen kommunalen Hebeln wollen Sie Unternehmen in Darmstadt beim Umstieg auf zirkuläre Geschäftsmodelle oder dem Aufbau von zirkulären (Industrie-)Symbiosen unterstützen?
Wir wollen Unternehmen in Darmstadt beim Umstieg auf zirkuläre Modelle unterstützen, indem wir gezielt Kooperationen und Stoffstrom-Synergien fördern. Dabei liegt unser Fokus besonders auf der Förderung von Genossenschaften, dem lokalen Handwerk und gemeinwohlorientierten Betrieben. Wir setzen uns für eine Wirtschaftsförderung ein, die ökologische Kreisläufe als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge begreift und Arbeitsplätze durch zukunftsfähige, reparaturbasierte Geschäftsmodelle sichert.
Die Stadt Mainz setzt sich durch die Unterstützung der Initiative „SauberSach“ am Beispiel der Meenzer Fassenacht für eine möglichst zirkuläre Gestaltung von Großveranstaltungen ein.
Wie stehen Sie zu einem vergleichbaren Ansatz für Großveranstaltungen in Ihrer Stadt? Welche konkreten Unterstützungsmaßnahmen können Sie sich vorstellen?
Wir befürworten einen Ansatz für Darmstadt, Großveranstaltungen zirkulär zu gestalten. Damit dies für alle Vereine und Initiativen umsetzbar bleibt, sollte die Stadt die notwendige Infrastruktur – wie etwa zentrale Spülmobile oder Leihsysteme – als öffentliche Dienstleistung zur Verfügung stellen. So stellen wir sicher, dass Nachhaltigkeit bei Festen nicht zu einer Kostenfalle für ehrenamtliche und nicht-kommerzielle Akteure wird.
In unserer Vereinsarbeit erleben wir, dass zentrale Designprinzipien zirkulären Wirtschaftens noch wenig bekannt sind und häufig auf Upcycling oder reines Recycling verkürzt werden.
Sehen Sie vor, ein Fortbildungsangebot zur Circular Economy für Verwaltung und kommunale Akteure aufzubauen oder eine entsprechende Kompetenzstelle einzurichten?
Wir unterstützen den Aufbau eines Fortbildungsangebots zur Circular Economy innerhalb der Verwaltung und der kommunalen Eigenbetriebe. Statt teure externe Beratungsleistungen einzukaufen, wollen wir internes Know-how bei den Beschäftigten (z. B. beim EAD) aufbauen. Eine zentrale Kompetenzstelle sollte die Aufgabe haben, Zirkularität praxisnah in den Arbeitsalltag der Verwaltung zu integrieren und so eine langfristige, demokratisch kontrollierte Transformation von unten zu ermöglichen.
Klimaresilienz, Biodiversität und Zirkularität sind eng miteinander verknüpft und sollten integraler Bestandteil einer zukunftsweisenden Stadtplanung und -entwicklung sein.
Haben Sie diesbezüglich konkrete Vorhaben?
Klimaresilienz und Zirkularität müssen Grundpfeiler der Darmstädter Stadtentwicklung sein. Wir fordern, dass ökologische Aufwertungen, wie Fassadenbegrünungen oder Entsiegelungen, dort priorisiert, wo es den größten Hitzestau gibt und und sie den größten Nutzen bringt. Dabei muss allerding bei der Umsetzung auch berücksichtig werden welche Pflanzen mit den gegebenen Bedingungen klarkommen und nach Möglichkeit heimische Arten bevorzugt werden. Stadtplanung muss sicherstellen, dass ökologische Verbesserungen die Lebensqualität im Quartier erhöhen, ohne durchsteigende Mietpreise zur Verdrängung der dort lebenden Menschen zu führen.
