Kommunalwahl 2026: Ihre Ziele im Bereich Natur-, Umwelt- und Klimaschutz für die kommende Legislaturperiode.
Ein Fragenkatalog vom NABU Darmstadt und dem BUND Darmstadt
1. Ludwigshöhviertel: geplanter Bau einer Straßenbahnstrecke mit Durchstich auf die Heidelberger Landstraße.
In der aktuellen Fraktion haben wir der durch die Stadt vorgeschlagenen Variante der Anbindung des Ludwigshöhviertel mittels Straßenbahn; inkl. Durchbindung zwischen Lichtenbergschule und Heidelberger Landstraße zugestimmt.
Die Durchbindung schafft in einem Bestandsnetz ohne Redundanzen in der Infrastruk-tur die Möglichkeit zum Ausweichen im Falle einer Streckenstörung; dies sowohl für eine Verbindung zwischen Eberstadt und Innenstadt/Hauptbahnhof als auch aus einer Bessunger Perspektive gedacht. Ein vollständiges "Abhängen" einzelner Stadtteile wird entgegengewirkt.
Auch die Bemühungen darum, den Verkehrsraum bereits von Beginn an im Rahmen der Quartiersplanung einzubinden entspricht unseren Anforderungen an die Priorisierung des ÖPNVs; insbesondere aber nicht nur in autoarmen Quartieren.
Kritisch sehen wir die verspätete Fertigstellung der Straßenbahnanbindung im Ver-gleich zum Erstbezug im Viertel und den damit notwendigen Vorlaufbetrieb mittels Bus. Dies führt dazu, dass das angestrebte Mobilitätsverhalten im Ludwigshöhviertel nicht von Anfang an auf einem guten ÖPNV-Angebot aufsetzen kann und daher ggf. eine geringer Ausrichtung auf den Umweltverbund (ÖPNV, Rad, Fuß) erfährt, als dies unter anderen Gegebenheiten möglich gewesen wäre.
Wir haben uns im Wesentlichen den Auffassungen der vorgelegten Planung angeschlossen, aber wir sprechen uns klar gegen die neue Planstraße aus, für ein autoarmes Viertel braucht es keine neue Zubringerstraße zur Schnellstraße.
Wir wollen den Waldverlust durch den Verzicht auf die Verschwenkung der Cooperstraße reduzieren und plädieren für eine Führung der Straßenbahn auf der Straße. Waldverlust ausgleichen: Der Ausgleich von Waldverlsut muss durch adäquate und transparent dokumentierte Nachpflanzungen erfolgen. Dabei ist es aus unserer Sicht besonders wichtig zu erwähnen, dass ein "alter" Baum nicht durch die Pflanzung eines wenige Jahre alten Baumes erfolgen kann. Zum einen, da dessen Überleben nicht garantiert werden kann und zum anderen, weil dessen Umwelt- und Klimawirkung erheb-lich hinter dem gerodeten Baum zurückfallen.
2. Geplantes Industriegebiet am Gehaborner Hof (oder anderen Standorten auf der „Grünen Wiese“)
Gutes Ackerland in Gewerbe- und Industriegebiete umzuwandeln und das Außen-wachstum von Darmstadt und Umlandgemeinden zu beschleunigen, finden wir falsch. Wie schon bei der Idee vor ein paar Jahren ein Gewerbegebiet bei Wixhausen auf Ackerflächen zu platzieren, stehen wir auch diesem Projekt kritisch gegenüber. Es ist auch aus Gründen des Klima- und Biodiversitätsschutzes falsch.
Wir treten für die konsequente Nutzung von Konversionsflächen ein, die nicht neu versiegelt werden. Eine solche stünde nordwestlich des Darmstädter Hauptbahnhofes zur Verfügung, bei dem insbesondere der im Lärmbelastungsbereich durch die Eisenbahn-strecke liegende Teil für wirtschaftliche Zwecke genutzt werden kann. Auch der Teil des Messplatzes, der durch die Nähe zu Merck nicht für Wohnbebauung geeignet ist, kann als Gewerbefläche ohne Neuversieglung genutzt werden.
Für jede versiegelte Fläche muss mindestens eine gleich große Fläche entsiegelt und renaturiert werden. Am besten ist jedoch die Fläche die gar nicht erst versiegelt wird, da auch bei Entsiegelung Bodenverdichtung und eventuelle Belastungen bestehen, die bei einem gesunden qualitativ guten Acker – trotz aller Probleme mit Bodenverdich-tung in der Landwirtschaft – nicht in dem Maße vorhanden sind.
3. Osthang-Bebauung. Ein Besucherzentrum für das UNESCO-Weltkulturerbe Mat-hildenhöhe soll laut Stavo-Beschluss dort gebaut werden.
Die UNESCO verlangt kein Informationszentrum, sondern nur ein Vermittlungskonzept. Dementsprechend empfinden wir den Bau eines Informationszentrum an dieser Stelle als unnötig, es hätte viele Alternativen gegeben (siehe nächste Frage), die leider alle abgelehnt wurden. Ökologisch, wie auch kulturell ist der Bau dieses Informationszentrums ein Verlust. Dieser kleine Stadtwald als Heimat des Bergmolchs hat sowohl etwas Grün in die Stadt gebracht als auch kühle Frischluft. Ohne diese wird sich Darmstadt – im 10 Jahresvergleich bereits die heißesten Stadt Hessens – weiter aufheißen.
Es hätte viele Alternativen gegeben. Angefangen damit komplett auf ein Informationszentrum zu verzichten und ein digitales und dezentrales Vermittlungskonzept zu wählen, über den barrierefreien Umbau einer der bestehenden und zum Teil leerstehenden Villen (was allemal günstiger gewesen wäre als der jetzige Neubau), bis hin zur Anpassung der Planung des Informationszentrums, so dass es zum Ensemble des Welterbes gepasst hätte und oberhalb der Hochschule in der Kernzone des Welterbes hätte, stehen können. Alle diese Alternativen wären aus unserer Sicht besser als die aktuelle gewesen, weil sie die aktuelle Rodung verhindert hätten, auch wenn wir natürlich eine günstige und wenig invasive Variante bevorzugt hätten.
Völlig ausgleichen lässt sich der Verlust durch einfache Ersatzpflanzungen nicht. Denn hier wurden nicht nur Bäume gefällt, sondern, es werden auch Flächen versiegelt und eine Freiluftschneise verbaut. Um dem etwas entgegenzusetzen, müsste auch eine mindestens genauso große Fläche, unter der nicht zufällig gerade ein Parkhaus oder ähnliches ist, was die Versickerung verhindert, entsiegelt und begrünt werden. Und auch dann wird es Jahre dauern, bis der verdichtete Boden wieder Lebensraum für ähnlich viele Lebewesen ist und eine äquivalente Fläche geschaffen wurde. Auch eine entsprechende Aufwertung von beispielsweise einer Ackerfläche zu einer Blühwiese wäre eine Möglichkeit des Ausgleichs, insbesondere wenn es dem Biotopverbund der Landschaft dient, am liebsten hätten wir dieses Stück Wald in der Stadt aber behalten und gar nicht erst versiegelt.
4. Offenlegung und Renaturierung Darmbach
Wir wollen die Offenlegung und Renaturierung des Darmbachs sowie den Wiederanschluss des Meiereibachs an das System Woog/Darmbach. Das sieht nicht nur besser aus, sondern verschafft in heißen Sommern auch mehr Abkühlung in der überhitzten Innenstadt.
Ja.
5. Verlegung Ruthsenbach am Steinbrücker Teich
Wir sind für die Herumführung des Ruthsenbachs um den Steinbrücker Teich. Das sorgt einerseits dafür, dass der Ruthsenbach nur Wasser an den Steinbrücker Teich abgibt, wenn er selbst genügend Wasser führt, und verhindert außerdem eine Erhö-hung der Wassertemperatur, die den Sauerstoffgehalt des Ruthsenbachs erhöht und so das Überleben vieler Bachbewohner gefährdet.
Vermutlich nicht, da die Stadt das Gebiet östlich des Steinbrücker Teichs, wo der Ruthsenbach hin verlegt werden soll, gerade durch das Programm "KlimaWildnis" an die Bundesrepublik abgetreten hat und diese nicht bewirtschaftet, geschweigenden umgebaut werden sollen.
Allgemeine Fragen
Die Erhaltung des Waldes und seiner Funktion muss oberste Priorität haben. Das Leitbild Wald der Stadt Darmstadt ist dazu ein Anfang. Da der Holzertrag ohnehin nur wenig zum städtischen Haushalt beiträgt, sollte dieser zurückstehen. Wichtig ist, dass das Moratorium für das Fällen gesunder Bäume erhalten bleibt. Außerdem könnten durch Entsiegelung von Flächen Regenwasser gewonnen werden, welches insbesondere zur Bewässerung des Westwaldes genutzt werden könnte. Dazu sollte auch das Konzept der Schwammstadt stärker umgesetzt werden, da dafür auch Zisternen und Brauchwasserleitungen benötigt werden. In diesem Zusammenhang wäre auch eine Reaktivierung der Wasserbecken unter der Mathildenhöhe sinnvoll.
Entscheidend ist hierbei, wofür die immer knapper werdenden Flächen in der Stadt genutzt werden. Darmstadt benötigt dringend erschwinglichen Wohnraum. Gleichzeitig würde eine weitere Bodenversieglung die Effekte des Klimawandels, insbesondere die Hitze der Sommermonate, verstärken. Zudem ist der Bau von Gebäuden selbst ein Treiber des Klimawandels. Die Linke tritt daher ein für die maßvolle Nachverdichtung bestehender Quartiere, also das Aufstocken von Gebäuden oder die Nutzung von Baulücken, ein. Außerdem hat Darmstadt viele leerstehende Büros, die sicher teilweise in Wohnungen umgewandelt werden können. Ein weiteres Außenwachstum der Stadt zu Lasten von Acker- oder Waldflächen ist für uns ein letztes Mittel. Frischluftschneisen sind zu erhalten.
Fachgremien, wie der Naturschutzbeirat oder auch der Klimaschutzbeirat dürfen nicht als Alibi-Beteiligungsgremien enden. Wir setzen uns dementsprechend für ein Rede- und Antragsrecht dieser Gremien und somit auch dem Naturschutzbeirat in der Stadtverordnetenversammlung ein. Er ist in alle Themen einzubeziehen, die direkten oder indirekten Einfluss auf die Umwelt- und Naturschutz haben können und muss auch seine eigenen Themen setzen können. Um selbstständig tätig werden zu können, benötigt er ein eigenes Budget.
Wenn die Mehrheiten der Stadtverordnetenversammlung weiterhin eine Politik der Versiegelung und Abholzung verfolgt, werden wir sicherlich an vielen Stellen weiter an der Verteidigung der Natur zusammenarbeiten. Vielmehr Lust haben wir darauf gemeinsam Konzepte zu entwickeln wie die im Sommer ziemlich lebensfeindlichen Steinplattenwüsten des Friedensplatzes, Karolinenplatzes usw. zu lebenswerten schattigen und bepflanzten Stadtplätzen werden können, die Schutz vor der steigenden Sommerhitze bieten und zum Verweilen einladen.
Ja und wie auch bei der Klimarelevanz werden wir uns auch bei den Fragen nach Freiraumkonzept und Biodiversität dafür einsetzen, dass sie konsequent in allen Beschlussvorlagen und nicht nur im Hochbau berücksichtigt werden.
Es braucht nicht nur gute Pläne, sondern auch eine gut ausgestattete Verwaltung und demokratische Teilhabe mit einem gestärkten Klima- und Naturschutzbeirat. Das Schaffen und Erhalten von Orten ökologischer Vielfalt dient nicht nur dem Naturschutz, sondern hat auch soziale Vorteile, indem öffentlich zugängliche Orte der Erholung entstehen bzw. erhalten bleiben. Darüber hinaus müssen Klimaschutz und soziale Sicherheit auch explizit zusammen gedacht werden, etwa durch Energiegenossenschaften und Solarförderung auch für Menschen ohne Geld.
